Als was fühle ich mich in Kroatien

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Brussels after Britain's EU referendum (Foto: Wiktor-DabkowskiDPAPIXSELL)

Neben der Hymne und der EU-Flagge gilt der 09. Mai als ein weiteres Symbol Europas. An diesem Tag wird der Europa-Tag gefeiert – die Vision eines geeinten Europas. Da Kroatien seit knapp vier Jahren nun auch der Europäischen Union angehört, gilt dieser Tag auch hierzulande als Festtag.

Feierlicher Beitritt Kroatiens zur  EU in Zagreb-(Foto: Patrik MacekPIXSELL)

Europabild in Deutschland und in Kroatien 

Wenn man Leute in Zagreb nach ihrer Meinung zu Europa befragt, erkennt man, dass die Kroaten skeptisch zur EU stehen und das sie bezweifeln, dass die Mitgliedschaft in der Europäischen Union positives für Kroatien bewirkt hat. Die Kroaten sind sehr reserviert und gehen von der Meinung aus, dass ein kleines Land wie Kroatien gegen große Länder wie z. B. Deutschland seine Interessen nicht durchsetzen kann. Dies war vor allem im Zeitraum vor der EU-Beitritt zu spüren, als viele Menschen gegen einen EU-Beitritt gestimmt haben.

Im Vergleich hierzu sind die Menschen in Deutschland positiv gegenüber Europa gestimmt und erkennen die Vorteile einer Mitgliedschaft in der EU. Ich muss sagen, dass sich das negative Bild über Europa in Kroatien gebessert hat. In meiner Arbeit als Journalist und Radiomoderator komme ich sehr leicht in Kontakt mit Menschen und habe letztens bei einer Veranstaltung im Europahaus in Zagreb viele junge Leute getroffen, die sich mit der EU befassen und an der EU interessiert sind.

Junge Leute im Europahaus in  Zagreb (Foto: facebook/ Europski parlament, Ured za informiranje u Republici Hrvatskoj)

Mehr EU-Ausländer in Kroatien 

Wenn man durch Zagreb aber auch durch andere Landesteile zieht, bemerkt man weiterhin, dass immer mehr Touristen und Ausländer nach Kroatien kommen und in Kroatien leben (wollen). Kroatien europäisiert sich mehr und mehr, wenn auch Kroatien schon immer geografisch wie auch kulturell ein Teil Europas war und zu Europa gehört – dies braucht nicht widerlegt zu werden!

Ich (er)lebe dieses Europa in Kroatien und ich muss sagen mehr als in Deutschland: Ich habe zwar sehr viel kroatische Freunde und Bekannte in Zagreb, doch ich verbringe meine Zeit viel mit EU-Ausländern aus Italien, Ungarn, Spanien oder aus Polen. Ich kann mich genau an den Tag erinnern, an dem Ich auf dem Ban-Jelačić-Platz in Zagreb den feierlichen Beitritt Kroatiens zur Europäischen Union live erlebt habe: mit einer Ungarin und einer Italienerin zusammen und nicht mit Einheimischen aus Zagreb.

Botschafter der EU (Foto: facebook/Europski parlament, Ured za informiranje u Republici Hrvatskoj)

Bikulturalität 

Ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen und somit mit diesem Land verbunden. Das erkennt man aber erst, wenn man eine Zeit lang außerhalb von Deutschland lebt oder gelebt hat – das gilt denke ich übrigens für jedes Land, nicht nur für Deutschland. Doch gleichzeitig sehe ich mich auch als Kroaten, der sich in Zagreb wohl fühlt. Auf meiner Reise nach Neuseeland – außerhalb von Europa, habe ich erkannt, dass es schwer für mich ist zu differenzieren, was ich eigentlich bin, vor allem da mich die Menschen in Neuseeland als beides angesehen haben. Ich möchte jetzt nicht darauf eingehen, für welche Seite mein Herz mehr schlägt, aber eins ist für mich gewiss: Ich feiere zwar nicht den Europa-Tag, doch ich sehe mich als Europäer!

Tonči Petrić arbeitet als Journalist und Radiomoderator für das deutschsprachige Programm der Stimme Kroatiens bei dem kroatischen Rundfunk und Fernsehen HRT. Er lebt seit mehreren Monaten in Zagreb und berichtet in seinem Blog über seine Erfahrungen in Kroatien.

Barbara Vid

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