Damals als auch heute

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Foto: GH

In Zeiten der FlixBus-Generation, in der man für wenig Geld in Deutschland und in Europa leicht verreisen kann (in meinen Fall von Deutschland nach Kroatien – schon ab 30 € in eine Richtung!), sind systematische Grenzkontrollen und lange Wartezeiten nervig. In letzter Zeit finden diese immer mehr in Kroatien statt – Staus sind vorprogrammiert. Ich musste diese Erfahrung leider auch erleben und musste letztens, auf meiner Fahrt von Stuttgart nach Zagreb an den Grenzübergang zu Bregana, drei Stunden warten.

In Zeiten der EU und der Annäherung der Völker kann ich nicht glauben, dass solche systematischen Grenzkontrollen noch praktiziert werden. Ich komme mir vor, wie zu Zeiten des Eisernen Vorhanges und Ex-Jugoslawiens, als man bei jedem Grenzübergang in einem Land aussteigen müsste und seine Reisedokumente geprüft wurden. Ich musste diese Erfahrung als kleiner Junge damals jedes Mal auf den Weg nach Kroatien machen, da in jener Zeit das günstigste Verkehrsmittel der Fernbus war. Wie damals hat sich auch heute offensichtlich nichts geändert.

Wie laufen systematische Grenzkontrollen ab?

Nach EU-Verordnungen darf ein Grenzbeamter Reisedokumente im Fernbus nicht kontrollieren. Die Passagiere müssen an jedem Grenzübergang aus dem Fernbus aussteigen. Zuerst wird man an Grenzhäuschen von slowenischen Beamten untersucht und dann von einem kroatischen Beamten. Jedes Mal müssen die Passagiere aus dem Fernbus aussteigen und ihre Reisedokumente den offiziellen Grenzbeamten übergeben. Pro Fernbus werden ungefähr 15 Minuten veranschlagt. Hat man eine Reihe von mehr als zehn Fernbussen vor sich, kann man mehrere Stunden an einen Grenzübergang verbringen – eine unnötige Tortur, wie damals als auch heute.

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Wie macht man in so einer Situation?

Vorausgesetzt man hat eine gute Internetverbindung im Fernbus und eine Stromsteckdose, kann man im Internet surfen, mit Freunden chatten oder etwas am PC bearbeiten. Dies ist aber nicht immer vorhanden. In diesem Fall kann man sich nur an seine Menschen um sich herum wenden und ein Gespräch beginnen. Da die Kroaten bekanntermaßen sehr gesellig sind, kommt man leicht ins Gespräch und lernt sehr schnell neue Leute kennen und begegnet interessanten Biografien. So verfliegt die Zeit und man muss nicht in Warterei ausharren. Dies ist in Deutschland weniger üblich.

EU-Verordnungen

Wer ist schuld für systematische Grenzkontrollen und langen Wartezeiten frage ich mich? Die Schülerin Jona aus Deutschland, die ich im Fernbus kennengelernt habe, schilderte mir ihre Eindrücke.

Foto: GH

Wenn man dagegen die kroatischen Grenzbeauftragten frägt, antworten diese: Die slowenischen Amtskollegen tun das Gleiche wie wir – sie führen die gleichen EU-Verordnungen aus.

Hoffen auf eine schnelle Lösung….

Kroatien soll 2018 den Schengener-Raum beitreten, bis dahin ist Kroatien noch ein Anwärter. Gespräche mit der EU-Kommission zu dieser Problematik haben bereits stattgefunden. Die vor einigen Tagen gefundene Lösung beruft sich aber nur auf die Grenzkontrollen des Autoverkehrs – der Fernbusverkehr ist dabei nicht eingeschlossen. Man kann nur hoffen, dass die kroatische Politik in Zeiten einer unnötigen Regierungskrise im Land, schnell eine nachhaltige Lösung mit Europa und Slowenien finden wird, damit Passagiere an den Grenzübergängen nicht mehr strapaziert werden und die kommende touristische Saison in Kroatien nicht beeinträchtigt wird.

Tonči Petrić arbeitet als Journalist und Radiomoderator für das deutschsprachige Programm der Stimme Kroatiens bei dem kroatischen Hör- und Rundfunk HRT. Er lebt seit mehreren Monaten in Zagreb und berichtet in seinem Blog über seine Erfahrungen in Kroatien.

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