Der 70. Wiener Kroatenball – ein Fest der Lebensfreude

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(Foto: Michael Ellenbogen)

Die Kroaten in Wien sind ein nicht wegzudenkender Teil der Kulturgeschichte dieser Stadt und begründen damit auch die Balltradition mit. Die Donaumetropole kann mit Recht als Weltstadt der Bälle bezeichnet werden.

Die Historie einer der schönsten Tanzveranstaltungen in der Saison, der Kroatenball, der seit vielen Jahren im ehrwürdigen Parkhotel Schönbrunn abgehalten wird, geht bis in das Jahr 1868 zurück. Allerdings gibt es diesbezüglich leider keine schriftlichen Dokumente, sondern lediglich mündliche Überlieferungen. Dokumentiert wird dieses Ereignis bis in das Jahr 1922 zurück.

Bereits damals wurde das Gemeinschaftsgefühl als anerkannte Minderheit mit viel Lebensfreude präsentiert. Der Ball avancierte bald zu einer Bereicherung des Kulturlebens der Großstadt. Die feierliche Veranstaltung basiert seit damals auf den 4 wichtigsten gesellschaftlichen Säulen: der Kultur, der Diplomatie, der Politik und der Wirtschaft, die in Verbindung mit dem herzlichen und sehr persönlichen kroatischen Flair eine von vielen Persönlichkeiten der Republik Österreich mit großer Regelmäßigkeit besuchte Veranstaltung geworden ist.

Sängerin Christiana Uikiza (Foto: Michael Ellenbogen)

Die Kroaten sind ein sehr musikalisches Volk. Tanz, Gesang und gemeinsames Musizieren gehört nahezu zum Alltag und prägte das Kulturverständnis über Generationen. Ein wesentliches Anliegen ist dem Veranstalter seit jeher die Verbundenheit der Kroaten mit der ehemaligen Haupt- und Residenzstadt an der Donau stilvoll zu präsentieren. „Hrvati meet Schönbrunn“ war das Motto der Festveranstaltung in diesem Jahr.

Die Pflege der traditionsreichen und vielschichtigen Verbindungen der Kroaten mit den Österreichern und speziell mit den Wienern ist dabei eine wichtiges Anliegen. Doch darüber hinaus wird auch das freundschaftliche Verhältnis zu den anderen Nachbarländern im geopolitischen Raum beider Staaten gepflegt. Dabei fällt den Burgenländischen Kroaten eine wichtige Aufgabe zu, nämlich die den würdigen Rahmen und die Aura dieser repräsentativen Festivität professionell und mit einer akribischen Auswahl an Künstlern zu organisieren.

Das Motto des Jubiläumsballes hat Erklärungsbedarf: „Hrvati“ – die Kroaten sind seit der Monarchie ein wesentliches Element des Wiener Kulturverständnisses. Die englische Bezeichnung „meet“- jemanden treffen bezeichnet die weltoffene Einstellung der Veranstalter die dieses Fest geplant und umgesetzt haben, ebenso wie jene der Besucher, deren Freude und Ausgelassenheit ganz besonders auf dem Tanzparkett spürbar war. Ja, und „Schönbrunn“, gemeint ist nicht nur das altehrwürdige Parkhotel in dem bis in die frühen Morgenstunden getanzt wurde, sondern die Nähe zum Schloss Schönbrunn, der Residenz der österreichischen Kaiser als Zeichen der historisch bedingten Verbundenheit beider Länder. Der Jubiläumsball stand ganz im Zeichen ausgezeichneter musikalischer Darbietungen verschiedener Interpreten, die Tanzwütige und stille Genießer gleichermaßen begeisterten. Das Damenquartett, „The Frajle“ präsentierten ihr vielseitiges Können als einzigartige Vokalistinnen.

Gruppe Frajle (Foto: Michael Ellenbogen)

Die ehrwürdigen Herren der „Dixiland Band Bjelovar“ verwöhnten das Publikum mit Jazzklassikern und bekannten kroatischen Schlagern der letzten Jahrzehnte. Einen klingenden Beweis exzellenter kroatischer Unterhaltungsmusik aus dem Burgenland bot die Gruppe „Pax“ zu der sich viele Paare zu später Stunde im Rhythmus schmiegten. Man konnte mit Fug und Recht behaupten: Der 70. Wiener Kroatenball war ein Fest der Musik.

Dixieland Band Bjelovar (Foto: Michael Ellenbogen)

Soviel herzliche Ausgelassenheit in einer nahezu familiären Atmosphäre animierte einen Großteil der Gäste bis in die frühen Morgenstunden zu bleiben. In erster Linie war diese Veranstaltung aber eine Veranstaltung im Zeichen der Jugend, die großer Zahl den Ball besuchte. Die jungen Damen und Herren tanzten, neckten einander und hatten in jeder Hinsicht sehr viel Spaß. Ein sympathischer und lebensfroher Beweis, dass die Kroaten in Wien auch in Zukunft die kulturelle Entwicklung dieser Stadt tatkräftig mitgestalten werden.

Autor: Michael Ellenbogen

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