Ist Kroatien eine Sportnation?

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Marin Čilić im Finale von Wimbledon (Foto: HRT)

Viele Kroaten schauen sich das Tennisturnier von Wimbledon an. Marin Čilić steht im Finale und vielleicht wird er sogar das Grand Slam Turnier gewinnen – die Bars und Ca­fés sind gefüllt mit Menschen.

Jeder gibt (gerne) seinen Senf hinzu

Für Kroaten ist Sport und der Wettbewerb in einer Sportart ein wichtiges Element des gesellschaftlichen Lebens, wie auch das Kaffee trinken gehen, hierzulande nimmt eine wichtige Rolle einnimmt.

In Kroatien wird gerne über Sport und Sportdisziplinen gesprochen. Vor allem, wenn es um internationale Turniere oder um den Fußball geht, in den Kroatien gut vertreten ist. Dann präsentiert man sich gerne. Man will zeigen wie gut Kroatien, als ein kleines Land von fünf Millionen Einwohnern, spielt.

Kroatische Fans bei einer Live-Übertragung-Igor KraljPIXSELL

Was dabei in Konversationen mit Einheimischen auffällt, dass jeder gerne seinen Senf dazugeben möchte. Jedermann deckt, er habe Ahnung und Erfahrung als Trainer und wisse, welche Taktik angewendet werden oder welcher Spieler ausgewechselt werden muss, damit die Mannschaft gewinnt. In Deutschland wird dagegen zum Thema Sport weniger der Senf dazugegeben, eher fachlich diskutiert und gesprochen. Werde auch ich womöglich zu einem „wanna-be“ Trainer in Kroatien mutieren, frage ich mich?

Das Tennisturnier von Wimbledon-Zeljko LukunicPIXSELL

Interesse ist gestiegen

Ich selber stelle fest, dass ich meine Angewohnheiten den einheimischen Kroaten angepasst habe und in eine Bar gehe, um das Wimbledon–Finale anzuschauen – dies habe ich Deutschland nie gemacht! In Deutschland habe ich mich nie mit Tennis identifiziert, geschweige denn für Tennis interessiert. Seitdem ich in Kroatien bin, fange ich an mich mehr mit Sport zu beschäftigen und lese regelmäßig Sportzeitschriften, um zu verstehen was gerade in der Welt des Sports passiert. Ich beginne mich in Kroatien mehr für Sport zu interessieren, als ich das jemals in Deutschland getan habe. Verrückt, oder nicht?

Olé, Olé !

Kroaten verreisen gerne, um die nationale Fußball-Repräsentation im Handball im Fußball zu begleiten. Man reist in fremde Länder und Städte, um sein nationales Team bei Qualifikation und Meisterschaften anzufeuern und weniger eine Stadt oder Land zu begutachten. Leicht kann es passieren, dass bei Großveranstaltungen dieser Art, ein zentraler Platz in einer Stadt voll von rotweiß karierten Sportoutfits und Farben umgeben ist. Ein gutes Beispiel ist hierfür die Fußball-Europameisterschaft in Österreich 2008 oder die Weltmeisterschaft in Deutschland 2006, als Kroaten aus aller Welt in diese beiden Länder reisten, um sich auf Live-Plätzen und Städten zu versammeln und ihr Team anzufeuern bzw. um einfach zusammen Spaß zu haben. Aus meiner Erfahrung und meinen Freundeskreis heraus wird dies für/in Deutschland weniger praktiziert.

Fans in Island für das Qualifikationsspiel der kroatischen Fussball-Nationalmannschaft

Kroatische Weltspiele – Croatian World Games

Das dieses Interesse am Sport auch politisch gefördert wird, erkennt man an den Kroatischen Weltspielen – Croatian World Games, die zum vierten Mal in Folge dieses Jahr in Zagreb ausgetragen werden. Ein Amateursport-Wettbewerb für junge Leute aus der ganzen Welt, der das Ziel verfolgt Kroaten aus der Diaspora im Geiste des Sportes zu verbinden und näher zu bringen.  Unter diesen Gesichtspunkten und weniger unter dem Gesichtspunkt von Titeln und sportlichen Ergebnissen frage ich mich, ob Kroatien eine Sportnation ist?

Tonči Petrić arbeitet als Journalist und Radiomoderator für das deutschsprachige Programm der Stimme Kroatiens bei dem kroatischen Rundfunk und Fernsehen HRT. Er lebt seit mehreren Monaten in Zagreb und berichtet in seinem Blog über seine Erfahrungen in Kroatien.

Barbara Vid

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