Tagebuch aus Fernost – Der Lunisolarkalender und die 24 Sonnenphasen

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Foto: weibo.com

Als wir vor Kurzem über das chinesische Horoskop gesprochen haben, haben wir festgestellt, dass dessen Zeichen ausschließlich „Tiere“ darstellen und der Hauptzyklus 12 Jahre dauert, nicht etwa Monate, die in diesem Fall an den so genannten untergeordneten Lunisolarkalender gebunden sind, welcher auch mit dem landwirtschaftlichen Kalender eng verbunden ist.

Der Lunisolarkalender wird den Mondphasen, bzw. der Position der Sonne das Jahr hindurch entsprechend erstellt und besteht aus insgesamt 24 Mondphasen.

Den Worten meiner älteren, erfahrenen Nachbarin zufolge, waren die Chinesen einst davon überzeugt, dass gerade dieser Kalender ihnen sehr dabei hilft, so genannte „Glückstage“ vor bestimmten Aktivitäten auszumachen, wie z.B. für Verlobungen, Hochzeiten, den Versuch, schwanger zu werden, Reisen oder Ähnliches.

Aber, auch wenn die Chinesen schon lange gelernt haben, die Zeit nach dem gregorianischen Kalender zu messen, um auch geschäftlich auf demselben Stand zu sein, wie alle anderen Länder dieser Welt, ist dieser Kalender dennoch äußerst wichtig. Durch ihn sind die wichtigsten Daten für traditionelle Feiertage und Horoskope bestimmt worden.

Seine Entstehungsgeschichte reicht weit zurück in die ferne Zeit der Xia- und Shang-Dynastien, bzw. zum 21. Jahrhundert vor unserer Ära. Sie beruht auf der einzigartigen Kombination von Naturwissenschaften, bzw. Astronomie, Landwirtschaft und Geographie und ist eine unfassbare Ansammlung von Ergebnissen langer Beobachtungen und Untersuchungen, die im Laufe der Jahrhunderte immer wieder erweitert wurden.

Aber nicht nur der Bezug zum Horoskop charakterisiert sie, sondern auch der Bezug zu den fünf Elementen (Metall, Holz, Wasser, Erde und Feuer), die, den alten Chinesen nach, die Basis und der Hauptbestandteil von allem waren. Das, was ebenfalls sehr interessant ist, ist die Tatsache, dass der Tag dem chinesischen Kalender zufolge um Mitternacht anfängt und aufhört, und nicht etwa mit dem Morgen, bzw. der Morgendämmerung.

Ein neuer Mondmonat beginnt mit dem „dunklen“ („neuen“) Mond (wenn er sich zwischen Erde und Sonne befindet).

Der Mond, der der ersten Solarphase – Frühlingsanfang genannt – am nächsten ist, ist gleichzeitig auch der erste Mondmonat, an dessen erstem Tag das Frühlingsfest, bzw. das chinesische neue Jahr gefeiert wird. Je nach Jahr ist diese Feier dementsprechend zwischen dem 20. Januar und dem 20. Februar.

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Die Sonnenphasen darin sind 24 Punkte, die vor allem mit bestimmten Naturphänomenen zusammenhängen. Jede Sonnenphase wird in drei Phasen von fünf, selten sechs, Tage geteilt. Alle 72 im Jahr werden Naturphänomenen nach benannt.

Linchun oder „Frühlingsanfang“ ist die erste Sonnenphase, die immer mit dem Beginn eines lunaren neuen Jahres anfängt. Dieser muss nicht unbedingt mit dem ersten Tag des Mondjahres beginnen, sondern eventuell auch einen Tag vorher oder später. So kann das Jahr auch „ohne“ Lichun vorbeigehen. Solch ein Jahr nennen Chinesen aus dem Norden des Landes – Witwe! Auch wird angenommen, dass eine Hochzeit in diesem Jahr keine glückliche Ehe bringt.

Zum Glück haben wir Lichun dieses Jahr ein paar Tage nach Neujahr begrüßt, sodass diejenigen, die bald den Gang vor den Altar wagen, nichts zu befürchten haben.

In ländlichen Gebieten des Landes wird der Anfang der ersten Sonnenphase durch unterschiedliche Feierlichkeiten gekennzeichnet. Seit 1941 feiern die Chinesen an diesem Tag den Tag der Landwirte. Noch eine interessante Tatsache zu diesem Thema hat mit Eiern zu tun. Denn an diesem Tag können Eier aufrecht aufgestellt werden, auch wenn ihr Oberfläche ungerade oder asymmetrisch ist. Auch wenn Wissenschaftler schon lange vorher erklärt haben, dass das während des ganzen Jahres möglich ist, sind die Lichun-Eier ein bei allen beliebter Brauch.

Besonders betont werden muss noch, dass die 24 Sonnenphasen am ersten Dezembertag letzten Jahres in die UNESCO immaterielle Kulturerbeliste eingetragen wurden, was erneut die Bedeutung des chinesischen Lunisolarkalenders bestätigt.

Franka Gulin genießt das Leben in Peking in vollen Zügen schon seit vier Jahren. Seit den Sommermonaten berichtet sie in unserem Blog über ihre Eindrücke aus dem fernen China und den Nachbarländern.

*Die im Text ausgedrückten Meinungen des Autors geben nicht unbedingt die Meinung des Kroatischen Rundfunks HRT wieder.

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