Tagebuch aus Fernost– Nordkorea – nur ein Schritt entfernt – Fangchuan

0 185
Foto: Franka Gulin

Letzte Woche reisten wir zur Stadt Hunchun in der nordchinesischen Provinz Jilin, wo sich China, Russland und Nordkorea begegnen.

Dreifache Grenzen, von denen etwa 176 weltweit bestehen, befinden sich in der Regel auf Flüssen, Seen oder Meeren. China hat sogar 16 Punkte der „dreifachen Begegnung“. Der Punkt, der sich in der Nähe von Hunchun befindet, neben dem am Fluss Tumen liegenden und 15 Kilometer vom Japanischem Meer entfernten Dorf Fangchuan, ist sicherlich der bekannteste.

Im letzten Text wurde angeführt, dass man dieses Gebiet zu einem touristischen Standort verwandeln möchte. Jedoch ist die Realisation dieses Projektes wegen den politischen Unruhen und nicht vorsehbaren Vorgängen von Nordkorea immer weniger wahrscheinlich.

Die chinesische Seite hat das Potenzial dieser Gegend aber gut ausgenutzt. Zumindest den Teil, der sich innerhalb seiner Grenzen befindet. Da Fengchuan etwa 50 Kilometer von Hunchuan entfernt ist, wartet am Ausgang vom Bahnhof ein Touristenbus auf Sie (Einzelfahrt kostet umgerechnet nur 2 Euro), der Sie direkt zur Grenze fährt.

Foto: Franka Gulin

Der Eintritt zum Grenzgebiet umfasst auch eine zehnminutige Fahrt des chinesischen, „schmalen“ Wegs entlang, der von beiden Seiten mit Stacheldraht abgegrenzt ist – an der einen Seite befindet sich die russische Grenze, an der anderen die nordkoreanische – und beide folgen der Strömung des Flusses Tumen.

Innerhalb des Parks an der Grenze befinden sich ein Museum und ein Denkmal für den Krieg, der am benachbarten See Khasan stattgefunden hat, sowie Souveniershops mit russischen und koreanischen Produkten. Dort befindet sich aber auch eine Tafel, die daran erinnert, dass Fangchuan ein UN-Weltzentrum des Friedens ist, das auch in die Liste der UNESCO-Welterbe eingetragen ist. Die einzigartigen historischen, geographischen und ökologischen Eigenschaften haben sicherlich sehr dazu beigetragen.

Die erste sichtbare Brücke am Parkeingang heißt Wonjong, die einen Grenzpunkt darstellt, über den der wirtschaftliche Austausch zwischen China und dem nordkoreanischen Hafen Rason stattfindet. Diese Brücke ist aber von untergeordneter Bedeutung im Vergleich zur Brücke, die wir im Text über Dandoong erwähnt haben.

Foto: Franka Gulin

Der wichtigste Teil des Parks umfasst einen Aussichtturm und das so genannte „earthplate“, an dem sich die drei Staaten symbolisch begegnen. Leider dürfen Ausländer das „earthplate“ nicht besuchen. Obwohl das früher nicht verboten war, konnte mir jetzt niemand den genauen Grund nennen, warum das verboten ist – außer es ging um Sicherheitsgründe.

Da ich an diesem Tag die einzige Ausländerin im Park war, versuchte eine chinesische Seniorengruppe, die begeistert von meinem Interesse an solchen Orten war, die Parkangestellten im Park dazu zu überreden, dass sie mir einen Besuch zum „earthplate“ gestatten. Sie versuchten ihnen zu erklären, dass ich aus Kroatien, dem ehemaligen Jugoslawien (mit dem sie vertraut sind) komme, und dass das doch ziemlich weit von den Vereinigten Staaten ist (alle dachten natürlich, dass ich Amerikanerin bin).

Obwohl das alles sehr lustig war, hat es letztendlich doch nicht funktioniert, weshalb ich mich mit dem Blick vom Aussichtsturm befriedigen musste. Der Blick vom Turm war atemberaubend, weil es ein schöner, sonniger, klarer und windiger Tag war.

Auf der linken Seite sieht man das russische Dorf Podgornaja, in der Mitte steht ein weißer Turm, der der letzte Punkt Chinas ist. Auf der rechten Seite steht die Bahnbrücke Chinson, die über den Fluss Tumen geht, als die einzige Verbindung zwischen Russland und Nordkorea.

Meine älteren Freunde kamen nach einer Stunde zurück und sagten mir, dass sie heute sogar drei Staaten besucht haben. Darauf habe scherzhaft gesagt, dass ich in einem Staat geboren, im einem anderen aufgewachsen bin, und dabei habe ich die ganze Zeit in derselben Stadt gelebt. Letztendlich sagten sie, dass meine Geschichte doch besser ist, wobei wir mit russischem Wodka anstießen, deren Preis wir im benachbarten Laden heruntergehandelt haben.

Franka Gulin genießt das Leben in Peking in vollen Zügen schon seit vier Jahren. Seit den Sommermonaten berichtet sie in unserem Blog über ihre Eindrücke aus dem fernen China und den Nachbarländern.

*Die im Text ausgedrückten Meinungen des Autors geben nicht unbedingt die Meinung des Kroatischen Rundfunks HRT wieder.

Barbara Vid

NO COMMENTS