Tagebuch aus Fernost – Nordkorea – nur ein Schritt entfernt (Teil 1)

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Für die einen ist der Eintritt in Nordkorea ein langjähriger Wunsch, für die anderen ist er mit Angst verbunden, während die Dritten moralische Dilemmas haben, ob es in Ordnung ist, Geld auszugeben, um ein Land zu besuchen, dessen Führer ein Diktator ist, der dem Rest der Welt ständig mit seinem Atomprogramm droht.

Foto: GH

In China gibt es viele Reisebüros, die für eine recht große Geldsumme Rundgänge in diesem Land anbieten. Die Touren dauern von drei Tage bis drei Wochen. Es gibt mehrere Optionen und alle wirken ziemlich interessant. Nordkorea kann man nicht ohne Begleitung eines Reisebüros besuchen (obwohl das Wort Überwachung hier auch nicht übertrieben wäre). Die Erfahrungen meiner Bekannten, die Nordkorea besucht haben, sind allerdings recht gut. Die meisten kamen ganz begeistert zurück, besonders Fotografen, die die sozialistische Architektur lieben.

Die Erfahrungen von Journalisten waren eher geteilt. Die einen waren des (sehr) begrenzten Zugangs bewusst und nutzten ihren Aufenthalt auf bestmögliche Art und Weise, während die anderen nörgelten, dass sie im Vergleich zu ihren Vorgängern nichts neues aufgenommen haben.

Foto: GH

Meine Faszination mit diesem Land, und vor allem seinem Tourismus und seinem Profit davon, hat kein Ende, obwohl ich zur der dritten, am Anfang erwähnten, Gruppe gehöre. Als ich in den Fernen Osten angekommen bin, habe ich entschieden, dass ich, falls ich es nicht schaffe, Nordkorea selbst zu besuchen, zumindest seine Landesgrenze mit Südkorea, China und Russland besuchen werde.

Der Eintritt ins Land über die südkoreanische Grenze ist schon seit längerer Zeit nicht möglich, beziehungsweise man kann nur die demilitarisierte Zone (DMZ) besuchen. Natürlich geht das auch nur mit einer speziellen Reisebürobegleitung.  Der Grund dafür ist natürlich die politische Situation, die in der Regel immer verschärft ist. Die Beziehung zwischen den zwei Ländern verschlechterte sich in der ersten Hälfte der Jahres 2013, ungefähr als ich nach China umgezogen bin. Aus diesem Grund habe ich mich im ersten Jahr meines Aufenthaltes in China von Nordkorea ferngehalten.

Foto: GH

Meine Mission des Besuchs der nordkoreanischen Grenzen begann im Herbst 2014, während eines Aufenthalts in Südkorea, als ich aus Seoul in die demilitarisierte Zone, beziehungsweise in die nach dem Koreakrieg entstandene Pufferzone, gereist bin. Diese 250 Kilometer lange und 4 Kilometer breite entmilitarisierte Zone ist eine der bekanntesten solchen Zonen der Welt.

Es handelte sich um einen Tagesausflug im Wert von 130 amerikanischen Dollars. Der Ausflug beinhaltet den Besuch zu den wichtigsten Teilen der demilitarisierten Zone, wie zum Beispiel dem Joint Security Area, wo an der Demarkationslinie Verhandlungen stattfinden, der Brücke ohne Wiederkehr und dem Tunnel, für den man behauptet, dass er zum Zweck der Invasion von Nordkorea durchgegraben wurde, obwohl er für viele als Fluchtlösung nach Südkorea diente.

Foto: GH

Der Eintritt und Aufenthalt im Tunnel (der zweite von insgesamt vier bekannten Tunnels, der bis zu 160 Meter tief ist) waren sehr interessant. Der Rundgang dauert von einer bis zwei Stunden, abhängig davon, wie viele Besucher gerade drinnen sind. Die Ankunft an die Demarkationslinie, beziehungsweise ins Joint Security Area oder ins Dorf des Friedens war von der Spannung und Angst der anderen Reisenden gekennzeichnet. Nach einem kürzeren Rundgang des Militärstützpunkts Camp Bonifas (der unter Kontrolle der Vereinten Nationen steht), der Unterzeichnung eines Vertrags über den Aufenthalt auf eigene Verantwortung und detaillierter Anweisungen und Einführungen, kamen wir letztendlich an die offizielle Demarkationslinie beziehungsweise zu den Objekten, die für Verhandlungen zweier Seiten dienen.

Falls Sie die Demarkationslinie überscheitet haben, können Sie offiziell sagen, dass Sie doch in Nordkorea waren, weil alles hinter dieser Linie als nordkoreanisches Territorium gilt.

Foto: GH

Der Reiseleiter ist in der Regel ein amerikanischer Soldat, der Sie davor warnt, dass er nicht für Sie verantwortlich ist falls Ihnen irgendwas passiert, weil Sie nicht auf seinem Territorium stehen. Der Reiseleiter warnt sie stets, dass Sie sich auf einem der meist überwachten Gebiete befinden und dass Ihr jeder Schritt beobachtet wird. Einerseits gibt es bestimmte Sachen, die Sie fotografieren dürfen, andererseits gibt es Sachen, die Sie nicht fotografieren dürfen. Natürlich bestehen auch bestimmte Kleidungsvorschriften in diesem Gebiet.

Leider gehöre ich zu den Besuchern, deren Fotografien gelöscht wurden. Während meines Aufenthalts auf den wichtigsten Standorten habe ich nicht zu viel gefragt oder genörgelt, warum sie meine Fotografien löschen. Später erklärte mir der Reiseführer, dass Journalisten sehr oft streng beobachtet werden.

Foto: GH

Nachdem wir das Dorf des Friedens besucht hatten, fuhren wir 20 Minuten mit dem Bus zu einem der größten Banner der Welt, das etwa 300 Meter von der nordkoreanischen Grenze entfernt ist. Auf diesem 160 Meter hohen Banner weht die nordkoreanische Fahne, die angeblich mit Abhörausrüstung komplett ausgestattet ist. Die Tour endet im Souvenirladen im Camp Bonifas, der dort als wichtige Einnahmequelle dient.

Am Ende der Reise sprachen alle darüber, wie viel Angst sie hatten, während ich daran dachte, dass es in unserem Bus etwa 50 Reisende gab, und dass ich im Laufe des Tages etwa 35 solche Buse mit Touristen in der demilitarisierten Zone gesehen habe. Wenn Sie nur 100 Dollars mit etwa 1000 bis 1500 Menschen täglich multiplizieren, vergessen Sie auf all ihre Ängste und fragen sich wer diese Geldsumme, auf welche (unmoralische) Art und Weise und in welchem Verhältnis jedes Jahr unter sich teilt.

Franka Gulin genießt das Leben in Peking in vollen Zügen schon seit vier Jahren. Seit den Sommermonaten berichtet sie in unserem Blog über ihre Eindrücke aus dem fernen China und den Nachbarländern.

*Die im Text ausgedrückten Meinungen des Autors geben nicht unbedingt die Meinung des Kroatischen Rundfunks HRT wieder.

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