Tagebuch aus Fernost – Nordkorea – nur ein Schritt entfernt (Teil 2) – Dandong

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Foto: weibo

Im letzten Versuch meines Besuchs nach Nordkorea, auf dem Weg von seinem südlichen Nachbarn zur so genannten Demarkationslinie, war die Situation sehr angespannt – in einigen Zeitpunkten schien sie sogar dramatisch, hätte man die Gesichter meiner Mitreisenden beurteilen müssen.

Die Besichtigung der nordkoreanischen Grenze von der chinesischen Seite war das genaue Gegenteil (was schwer zu glauben war).

Vor ein paar Wochen, genau am Tag, an dem China sehr überraschend reagierte und wegen dem neuesten Abfeuern von ballistischen Raketen eine der schärfsten Sanktionen gegenüber Nordkorea im letzten Jahrzehnt verhängte, gingen wir nach Dandong – eine Stadt in der chinesischen Region Dongbei (wortwörtlich übersetzt bedeutet das Ost-Nord).

Diese Stadt ist eigentlich eines der größten Zoll-Zentren und die wichtigste Route für den kommerziellen Austausch der zwei Länder, aber auch die größte Grenzstadt im Land. Dandong und die benachbarte Stadt Sinŭiju in Nordkorea sind durch den Grenzfluss Yalu geteilt, der mit einem großen Teil seiner Länge eine natürliche Grenze zwischen den zwei Staaten bildet.

Foto: weibo

Der Fluss Yalu hat auch eine historische Bedeutung, da dort verschiedene Kämpfe in unterschiedlichen Weltkonflikten stattfanden. In den Kämpfen um diesen Fluss im Ersten Japanisch-Chinesischen Krieg im Jahr 1894, fand die größte Seeschlacht (Dandong ist zwei Stunden von der Bohai-Bucht entfernt) statt, die erste Landschlacht im Jahre 1904 während des Russisch-Japanischen Kriegs beziehungsweise des Koreakriegs, in den China im Oktober 1950 zog.

Das Hauptmerkmal von Dandong ist sicherlich die halb zerstörte Brücke, die als eine Erinnerung an diese Zeit noch dort steht. Es handelt sich um die erste Brücke der chinesisch-koreanischen Freundschaft (die 1911 erbaut wurde), die sich nur ein paar hundert Meter von der anderen, noch größeren gleichnamigen Brücke befindet (die Namen werden seit dem Jahr 1990 so benutzt).

Die zweite Brücke wurde während der Besatzung der Region Mandschurei von den Besatzungstruppen der Kaiserlichen Japanischen Armee erbaut (im Jahr 1943 fertiggestellt). Beide Brücken wurden während des Kampfs um Dandong von den US-Truppen bombardiert (von 1950 bis 1951), die die Lieferungen von China nach Nordkorea beenden wollten.

Damals wurden alle Brücken über diesen Fluss abgerissen. Nur die „jüngere“ von den zwei Freundschaftsbrücken bei Dandong wurde rekonstruiert, wobei sie heutzutage die Schlagader und eine der seltenen Landverbindungen zwischen Nordkorea und China, und somit auch mit dem Rest der Welt darstellt.

Laut einer Geschichte, bestand Nordkorea darauf, dass man die Brücke aus dem Jahr 1911 nicht rekonstruieren darf, so dass die US-Truppen nicht negieren könnten, dass sie die Brücke zerstört haben.

Die so genannte „zerstörte Brücke“ wurde zur echten Touristenattraktion im Kontext der strengen Maßnahmen und des Einreiseverbots nach Nordkorea. Ein Spaziergang zu den Ruinen der Brücke, wo heute ein Aussichtsturm steht, von dem man einen schönen Blick auf die Küste von Sinŭiju und das nordkoreanische Zoll-Gebäude hat, zum Lunapark, der praktisch nicht mehr in Betrieb ist – all das sind Standorte, die man in dieser Stadt unbedingt besuchen muss.

Die Stadt ist sogar in den Wintermonaten sehr lebhaft, wenn die Temperaturen tief im Minus liegen. Auch dann spazieren seine Einwohner gerne die Promenade entlang und genießen den sauberen und scharfen Wind, der vom Fluss weht.

Foto: weibo

In Dandong leben viele Einwanderer aus der Republik Korea, weshalb es dort auch sehr viele (fantastische) von der koreanischen Küche inspirierte Restaurants, koreanische Schulen und Kulturzentren gibt.

In dieser Stadt findet auch ein lebhafter geschäftlicher Austausch mit Nordkorea statt. Außerdem kann man dort vielen Nordkoreanern begegnen, die in Dandong arbeiten und leben (meistens handelt es sich um Gastwirte und Hotelbesitzer, wobei unter den Mitarbeitern meistens Mädchen angestellt sind).

Foto: weibo

Die Stadt und ihre Umgebung sind wegen den illegalen Grenzübergängen der fliehenden nordkoreanischen Einwohner bekannt, weil der Fluss an manchen Stellen nur fünf Meter breit ist. Eine Geschichte von einem solchen Ort bringen wir Ihnen nächste Woche.

Franka Gulin genießt das Leben in Peking in vollen Zügen schon seit vier Jahren. Seit den Sommermonaten berichtet sie in unserem Blog über ihre Eindrücke aus dem fernen China und den Nachbarländern.

*Die im Text ausgedrückten Meinungen des Autors geben nicht unbedingt die Meinung des Kroatischen Rundfunks HRT wieder.

Barbara Vid

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