Tagebuch aus Fernost – Nordkorea – nur ein Schritt entfernt (Teil 3) – Hushan

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Foto: weibo

Letzte Woche haben wir über Dandong gesprochen, die Stadt, die nur durch den Yalu Fluss von Nordkorea geteilt ist, und deren erste chinesisch-koreanische Freundschaftsbrücke als Zeuge turbulenter historischer Unruhen und heutzutage als Touristenattraktion dort steht, während die zweite Brücke eine der seltenen Verkehrsverbindungen zwischen dem isolierten Land und dem Rest der Welt darstellt.

Doch die „größte chinesische Grenzstadt“, wie sie oft genannt wird, ist nicht nur dafür bekannt. In dieser Stadt blüht auch die Herstellung von Seide, Ginkgo und Honig. Das sind definitiv drei Dinge, die Sie von Ihrer Reise in dieser Region zurückbringen müssen.

In ihrer unmittelbaren Nähe befindet sich der Autonome Kreis Kuandian der Mandschu, in dem die koreanische ethnische Gemeinschaft lebt (eine von vielen in der Grenzregion zwischen China und Südkorea). Dort befindet sich auch eine verlassene Piste, die von Kampfflugzeugen während des Koreakriegs verwendet wurde, sowie ein Teil der Chinesischen Mauer – der Hushan, den einige als den östlichsten Teil der Mauer erleben.

Falls Sie jedoch die ersten Ausgaben des Tagebuchs aus Fernost gelesen haben, werden Sie sich sicherlich daran erinnern, dass Shanhaiguan als der östlichste Teil der berühmten Mauer erwähnt wurde, der im Meer in der Bohai-Bucht endet und somit 700 km von Hushan entfernt ist.

Hier geht es um eine Befestigung, die dafür bekannt ist, dass sich einige ihrer Teile nur fünf Meter von der nordkoreanischen Grenze befinden. Darüber hinaus steht diese Befestigung im Mittelpunkt einer großen akademischen Kontroverse.

Um genauer zu sein, die Mauer mit den Befestigungen (die heutzutage denen an der Chinesischen Mauer ähneln) schlängelt mit über 1.200 Meter über den Berg Hu oder den Tigerberg, und ist heute Teil des Goguryeo-Gerichtsverfahrens.

Als im Jahr 2009 Hushan zum östlichsten Teil der Chinesischen Mauer ernannt wurde, hat die koreanische akademische Gemeinschaft diese Proklamation eher skeptisch angenommen, und die chinesische Seite dafür angeklagt, dass sie die Befestigung von Bakjak in Hushan umbenannt und die Türme wieder renoviert hat, damit sie als Teil der Chinesischen Mauer erklärt werden kann, was im Projekt Dongbei der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften durchgeführt wurde.

Foto: Franka Gulin

Die koreanische Seite behauptete (und behauptet auch heute noch), dass China auf diese Art und Weise die lokalen Spuren des uralten koreanischen Staats Goguryeo zerstört hat. Angeblich wurde Bakjak beziehungsweise (den Chinesen nach) Hushan zur Zeit des Goguryeo-Staats erbaut.

Zu diesem Thema wurden zahlreiche Artikel und Studien veröffentlicht. Beide Seiten haben der anderen Seite den Nationalismus vorgeworfen, während nur seltene Wissenschaftler das (logisch) kritisiert haben, dass man moderne nationale Identitäten nicht mit den Nationen aus der Vergangenheit ausgleichen kann.

Aber gehen wir lieber zurück zu meinem Aufstieg auf den Hushan. Falls Sie ihn in den Wintermonaten besuchen wollen, dann müssen Sie das an einem klaren Tag ohne Niederschläge machen. Die nördliche Seite liegt sehr früh im Schatten, wobei der Aufstieg von etwa 150 Metern sehr steil und schwierig wegen dem vereisten Weg ist. Sie wollen doch nicht wie die arme Nancy Kerrigan tragisch abrutschen!

Foto: Franka Gulin

Die Aussicht vom höchsten Turm ist einfach atemberaubend! Falls Sie den Berg während der Dämmerung an einem klaren und windigen Tag besteigen, werden sie das Tiefland von China und Nordkorea und die umliegenden Berge sehen, die das Tiefland um den Fluss Yalu von beiden Seiten und den Ort, wo Yalu in die Bohai-Bucht fließt, umkreist.

Noch eine interessante Information für diejenigen, die mit Grenzen und Nordkorea fasziniert sind. Das Gebiet unter Hushan ist von einem Kleinen Nebenfluss von Yalu geteilt, der kaum fünf Meter breit ist.

Der erste nordkoreanische Beobachtungsposten ist etwa 150 bis 200 Meter von diesem Gebiet entfernt. Sie und die Soldaten schauen sich einander fast in die Augen. Als wir dort waren, haben einige Soldaten, etwa hundert Meter von uns entfernt, den Kanal gereinigt. Sie haben uns bemerkt, und wir haben sie bemerkt. Aber interessant fanden sie uns überhaupt nicht.

Franka Gulin genießt das Leben in Peking in vollen Zügen schon seit vier Jahren. Seit den Sommermonaten berichtet sie in unserem Blog über ihre Eindrücke aus dem fernen China und den Nachbarländern.

*Die im Text ausgedrückten Meinungen des Autors geben nicht unbedingt die Meinung des Kroatischen Rundfunks HRT wieder.

Barbara Vid

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