Wie Pilze aus dem Boden

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Prilaz Đure Dezelića und Primarska Ulica in Zagreb (Foto: Tonči Petrić)

Was mich in letzter Zeit in Zagreb wirklich nervt, sind die Baustellen und Renovierungsarbeiten von Straßen sowie Erneuerungen von Schienen für den öffentlichen Nahverkehr . Sie sprießen an jeder Ecke hervor, wie Pilze aus dem Boden.

Sommer- Hochsaison für Baustellen

Klar momentan ist die Hochsaison für Renovierungsarbeiten in jeder größeren Innenstadt. Es ist Sommer und die Stadtverwaltung möchte die schöne Jahreszeit nutzen, um notwendige Bauarbeiten und Auswechslungen für Beton oder Gasleitungen zu vollziehen.

Einfahrt zur Primorska Ulica in Zagreb (Foto: Tonči Petrić)

Es verläuft in Deutschland oder anderen Ländern nicht anders. Doch wenn ich meinen Bezirk anschaue und die Straßen um mich herum, denke ich, ich befinde mich im 2. Weltkrieg. Offene Gräben ohne Umzäunung oder Schilder, überall herumliegendes Material und Werkzeug, keine Warnhinweise für vorbeifahrende Autos.

Ich wundere mich nur, dass bis jetzt noch niemand verletzt worden ist!

Ist das alles notwendig?

Weiterhin gleicht die Kreuzung vor meiner Haustür einem offenen Schlachtfeld. Überall Bagger und Material, offene Baustellen ohne klare Abgrenzung zu Wohneinheiten oder Objekten.

Es gibt keinen abgegrenzten Pfad für die Bewohner – Leute müssen über die Baustellen laufen, um zu den Haustüren zu gelangen. Frühmorgens wird man von Gebrüll und Lärm aufgeweckt, Staub verfestigt sich in den Räumen der Wohnung – all das an sehr warmen Sommertagen in Zagreb.

Erneuerungen von Schienen für den öffentlichen Nahverkehr  (Foto: Tonči Petrić)

Zusätzlich wird der Müll nicht abgeholt und nicht getrennt. Die Müllcontainer sind voll und jeglicher Hausmüll überhäuft sich auf den Straßen. Ich frage mich,ob dies alles notwendig ist?

In Deutschland ist man es gewohnt, bei jeder Baustelle oder bei jedem Bauvorhaben informiert zu werde, klare Umzäunungen und Warnschilder zu haben, leichten Zugang für Anwohner bzw. zu deren Wohnungen und Häusern zu haben.

Verlegung von neuen Gasleitungen (Foto: Tonči Petrić)

Man hat in Deutschland nicht den Eindruck, dass etwas aus den Fugen gerät, geschweige denn, dass Baustellen im Zentrum Orten aus dem 2. Weltkrieg gleichen. Weiterhin ist die Mülltrennung seit langer Zeit erfolgreich in Deutschland eingeführt worden.

Jeder Bürger weiß, wie und welchen Container er benutzen muss, um sachgerecht Müll zu trennen und zu entsorgen.

Was bleibt einem übrig?

In Kroatien verlaufen all diese Dinge langsam und ungeordnet, ohne klare Struktur und Ordnung- einfach ohne Ablauf. Was bleibt einem in dieser Situation übrig? Die Engländer würden sagen: „Abwarten und Tee trinken”. In Kroatien würde man sagen: „Kaffee trinken gehen“ (siehe meinen Blog von letzter Woche)

Tonči Petrić arbeitet als Journalist und Radiomoderator für das deutschsprachige Programm der Stimme Kroatiens bei dem kroatischen Rundfunk und Fernsehen HRT. Er lebt seit mehreren Monaten in Zagreb und berichtet in seinem Blog über seine Erfahrungen in Kroatien.

 

Barbara Vid

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