Das 14. Zagreb Film Festival ist zu Ende!

0 136
Ne gledaj mi u pijat

Am Samstag wurde das 14. Zagreb Film Festival mit der Vorführung des Films „Crash“ des kanadischen Regisseur David Cronenberg beendet, am Sonntag hatten wir aber noch die Möglichkeit, uns die preisgekrönten Filme anzuschauen. Am meisten wurde über den Film „Ne gledaj mi u pijat“ (Schau mir nicht in den Teller) von Hana Jušić gesprochen. Dieser Film erhielt eine besondere Ehrung er geht auf die noch immer schlechte soziale Lage in Kroatien ein. Es scheint, dass dieses Thema bei  unseren Regisseuren immer interessant sein wird und dass solche Filme Preise sowohl zu Hause, als auch in der ganzen Welt gewinnen werden. Durch diesen Film bekommt das Publikum außer Kroatien eine Einsicht in die kroatische Realität mittels der Fiktion und eine Demonstration der Lage, in der wir uns befinden.

Maysaloun Hamoud

Der ägyptische Film „Clash“, unter der Regie von Mohamed Diab,  gewann den Goldenen Wagen für den besten Spielfilm. Laut der Jury gehe es hier um eine erstaunliche, atemberaubende Geschichte und um einen Film, der die Möglichkeit der Zusammenarbeit verschiedener Personen in grandiosen, emotionellen Momenten der Filmwelt feiere. Eine weitere, besondere Ehrung erhielt der israelisch-französische Film „Zwischen zwei Welten“ unter der Regie von Maysaloun Hamoud. Der Goldene Wagen für den besten Kurzfilm ging an den brittischen Film „Balcony“(Balkon) von Toby Fell-Holden, während der rumänische Film „Ferdinand 13“ der Regisseurin Cecilia Ștefănescu mit einer besonderen Ehrung ausgezeichnet wurde. Zum besten Titel im Programm Würfel wurde der „Milchzahn“ von Saša Ban erklärt, während besondere Ehrungen die Filme „Med i Mliko“ (Milch und Honig) von Marko Jukić und „13+“ von Nikica Zdunić erhielten.

Clash

Es ist interessant, dass dem Film „Clash“ der Hautpreis verliehen wurde, gerade weil sich die Handlung in einem Kleintasporter auf den Straßen Kairos abspielt. Der Wagen fährt durch die Straßen im Zuge der Konflikte und Proteste und wir werden uns der Realität dieser Gesellschaft bewusst. Die Bevölkerung ist nämlich geteilt, und zwar auf die Sympathisanten der Muslimbrüder und die, die sie nicht unterstützen. Durch eine provozierte Klaustrophobie erfahren wir, dass auch die Soldaten hin- und hergerissen sind. Auf der einen Seite sind ihre Menschlichkeit und Mitbürgerschaft und auf der anderen ihre Pflicht als Soldaten und die Lage der Armee. W¨hrend dieser innere Konflikt andauert, kommen sie ums Leben. In einer Szene wird uns die Identität eines Soldaten offenbart. Er ist nicht Muslim, sondern ein Crhist, der ein auf seinerm Arm tätoviertes Kreuz verstecken muss. Später muss er auch seine Uniform unter einem Anzug verstecken, alles, um zu überleben.

Video

Dieser Film macht uns klar, was Kollateral-Opfer, wie Kinder, Jungen und Frauen im Krieg sind. Sie versuchen, in diesem Kaos zu überleben und geben sich Mühe daran zu denken, dass alles normal sein kann, doch auch sie haben wegen der hoffnungslosen Situation ein tragisches Ende. Es wird gezeigt, dass eine Ideologie nur zu kompletter Zerstörung führen kann. Eigentlich wird uns eine Gesellschaft dargestellt, in der keiner jegliche Chancen hat.

Bereits in der ersten Szene werden einem Journalisten die Hände gefesselt und der Kammeramann, beziehungsweise der Fotograf, ist klaustrophobisch. Damit wird symbolisch darauf hingewiesen, dass Journalisten gebundene Hände haben und sich dessen fürchten, in Haft genommen zu werden.

Medienfreiheit existiert nicht und die Stimme des Volkes verstummt. Besonders eindrucksvoll in diesem Film ist das Gefühl der unaushaltbaren Spannung und der Hilflosigkeit. Man könnte sogar sagen, dass durch die Tatsache, dass der Film aus der Perspektive eines gewöhnlichen Menschen gefilmt wurde, ein noch stärkerer Eindruck hinterlassen wird. Eine Hauptfigur gibt es nicht, alle sind gleich und dem Untergang geweiht, so wird auch die Handlung mithilfe der Kleinlastwagenperspektive graduiert. Zu erst wird uns ein leerer Kombi gezeigt, danach geraten Medienvertreter, die daran gehindert sind, die Konflikte auf den Straßen Ägyptens zu verfoglen, und schließlich andere Personen in den Wagen.

ZFF

Die Idee, diesen Film in einem solchen Wagen zu drehen und dabei solch eine intime, psychotische und nahezu verrückte Atomsphäre voller Revolt und Hilflosigkeit zu bilden, ist nicht gerade originell. Ein ähnlicher Film wurde 2009. unter dem Namen „Lebanon“ gedreht. Er zeigt vier israelische Soldaten in einem Panzer. Die Handlung ist wegen dieser Umgebung ebenso psychotisch und klaustrophobisch und zeigt uns den durch den Krieg verursachten Aufruhr. Dieser Film hinterlässt, genauso wie „Clash“, das Gefühl von Hilflosigkeit und Ausweglosigkeit. Hier sind alle mit Dilemma „Sterben oder nicht sterben“ konfrontiert, während in „Clash“ zwischen „überleben“ oder“ für die Idee sterben“ gewählt werden muss.
Am Ende passiert immer das gleiche: keiner ist Held, keiner möchte sterben und keiner bekommt in solch einem Kaos eine Chance.

Auch das Zagreb Film Festival wird im Kino Europa abgehalten (Foto: zff.com)

200, 33, 13, 10

Am 14. Zagreb Filmfestival versammelten sich ungefähr 200 Gäste. Innerhalb von neun Tagen der Festatmosphäre wurden mehr als 100 Filme auf sechs Orten in der Stadt gezeigt. Insgesamt 33 Filmtitel kämpften um den Preis, den Goldenen Wagen, unter ihnen 13 internationale Spielfilme und 10 internationale Kurzfilme, während 10 kroatische Filme im Programm Würfel im Wettbewerb für den Goldenen Wagen waren.

Teams kroatischer Filme, wie z. B. „Trampolin“ (Trampolin) von Katarina Zrinka Matijević und Teams von Filmen, die in kroatischer Koproduktion entstanden sind, wie „Oslobođenje Skoplja“ (Die Befreiung von Skopje) von Rade Šerbedžija und Danilo Šerbedžija sowie „Kuća drugih“ (Das Haus der Anderen) von Rusudan Glurjidze haben ebenso am Festival teilgenommen. Zu den Gästen des Festivals zählten auch der Regisseur des Films „Ime: Dobrica, prezime: Nepoznato“ (Name: Dobrica, Nachname: Unbekannt) Srđa Penezić sowie ein Teil des Schauspielerteams dieses Films – Slavko Štimac, Bogdan Diklić und Hana Selimović.

Innerhalb des Programms Industrie versammelten sich am Festival auch viele Profis der Filmwelt. Unter ihnen war der weltberühmte Szenarist Tony Grisoni, einer der Autoren des Szenarios der populären Serie „Der junge Papst“ von HBO. Weiterhin waren dort auch HBOs Vertreter Steve Matthews und Gabor Krigler, sowie einige europäische Funktionäre und Leiter nationaler Filmfonds, die an diesem Ereigniss unter dem Namen „Ovako to MI radimo!“ (So machen WIR das) teilgenommen haben. Mit diesem Programm wurden 25 Jahre des Teilprogramms MEDIA gefeiert. Zu den weiteren Gästen werden die Koordinatorin des Filmpreises LUX und ein ex-Mitglied des Europäischen Parlaments Doris Pack, Niombo Lomba aus der Europäischen Kommision, Isabel Castro von den Eurimages und andere gezählt.

Schriftstellerin und Journalistin Danijela Stanojević wird für die Stimme Kroatiens Rezensionen aktueller Kulturveranstaltungen, Analysen neuer literarischer Werke, Theaterkritiken sowie Kritiken von Ausstellungen und  künstlerischer Performances verfassen.

Danijela Stanojević