Welt

Außerhalb Kroatiens leben einige Millionen kroatische Auswanderer, die ihre Heimat in mehreren Wellen verließen. Die zum größten Teil ökonomische und politische Emigration lebt heute vorwiegend in den Vereinigten Staaten, Deutschland, Kanada und Australien.

 

 

 

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Kroaten in den USA

In den USA leben 1 200 000 Kroaten und somit ist die dortige kroatische Diaspora die größte auf der Welt. Als erste Kroaten segelten Seemänner aus Dubrovnik auf Christoph Columbus´ Schiffen Richtung Neue Welt. Davon zeugen Dokumente englischer Geschichtswissenschaftler, die bei Untersuchungen im Staat North Carolina auf „hellhäutige Kinder“ unter den nordamerikanischen Indianerstämmen stießen. Die Legende über Kroaten und den Indianern – dem Stamm „Croatan“ – wurde nie wissenschaftlich belegt, obwohl etliche US-amerikanische Geschichtswissenschaftler überzeugt davon sind, dass es sich um die vermissten Seemänner aus Dubrovnik handelt.
In der ersten Migrationswelle ab Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg emigrierten größtenteils Kroaten aus Dalmatien und dem Primorje (Kroatisches Küstenland) nach Amerika, wo sie das Mississipi-Delta, die amerikanische Nordküste des Pazifiks und New York ansiedelten. Die Auswanderung setzte sich auch zwischen den zwei Weltkriegen fort, schätzungsweise emigrierten in die diesem Zeitraum 150 000 Kroaten. Die kroatischen Immigranten verließen ihre Heimat in erster Linie aus wirtschaftlichen oder politischen Gründen und schafften sich, unter anderem mit Hilfe kroatischer Vereine und Gesellschaften, ein neues Zuhause in den USA. Viele dieser Vereine und Organisationen sind auch heute noch tätig: der Dachverband der Kroaten in den USA National Federation of Croatian Americans , die Kroatische Brüderliche Vereinigung Croatian Fraternal Union, Der Kroatische Weltkongress in den USA sowie viele weitere Kultur- und Sportgesellschaften. Die 1894 gegründete Kroatische Brüderliche Vereinigung (Hrvatska bratska zajednica) ist die größte Organisation der Kroaten in Nordamerika und zählt heute 60 000 Mitglieder. Seit 1907 gibt die Vereinigung alle zwei Wochen das Mitteilungsblatt Zajedničar in englischer und kroatischer Sprache heraus. 2005 wurde im amerikanischen Kongress der Kroatische Kongressklub CongressionalCroatianCaucus gegründet, dessen Mitglieder kroatischstämmige Kongressabgeordnete aber auch andere Abgeordnete sind, die sich für kroatische Interessen einsetzen.

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Antun Lučić

Josip Kundek

Jacob Jake Matijević

Kroaten in Kanada

Die Namen der Seemänner Ivan Malogrudić aus Senj und Marin Masalarda aus Dubrovnik sind auf den ersten englischen Schiffen vermerkt, die Richtung neue Welt um das Jahr 1500 segelten. Auch die Tatsache, dass ein gewisser Kroate Jakov oder Jacques aus Slawonien unter den Namen der Goldsucher in Acadia (dem heutigen New Brunswick und Nova Scotia) auftaucht, beweist, dass Kroaten bereits vor einem halben Jahrtausend nach Nordamerika ausgewandert sind. Der „Goldrausch“ verursachte einen bitteren Kampf um Gold und viele kroatische Goldgräber sind nie wieder zu ihren Familien zurückgekehrt. Trost suchten sie in den vielen Saloons, die quer durch Kanada eröffnet wurden. In alten Dokumenten wird auch Šime Miletić erwähnt, ein erfolgreicher Goldsucher, der in Victoria den "Adelphi Saloon and Billiard Parlour" eröffnete. Viele Kroaten, die an die pazifische Küste gelangten, siedelten sich in Kanada an und taten dort, was sie am besten konnten – sie arbeiteten am Bau der transkanadischen Eisenbahn, in Bergwerken oder waren Fischhändler. Die Fischer Tolić und Karampana erkannten das Potential des Fischhandels und eröffneten den ersten Fischladen in Victoria. Anfang des 20. Jahrhunderts werden so genannte kroatische Dörfer gebaut, die größtenteils von Kroaten aus Lika und Gorski kotar angesiedelt werden. Als Holzfäller und Zimmerer fanden sie leicht Arbeit in den dichten kanadischen Wäldern. Nach Ende des Ersten Weltkriegs hießen die Kanadier Einwanderer aus Österreich-Ungarn nicht gerade willkommen. Als Staatsfeinde empfunden, begannen die Kroaten, sich vorwiegend untereinander in kroatischen Gemeinschaften, Vereinen oder Klubs zu versammeln. In Sudbury entstand so der „Kroatische Amateurchor“, in Winnipeg der Verein „Kroatisches Kolo und Tamburizza“, während es in Hamilton in den 1930er Jahren sogar drei Tamburizza-Ensembles gab: „Zagreb“, „Plavi Dunav“ (Blaue Donau) und „Zlatne žice“ (Goldene Saiten). Heute gibt es in Kanada Dutzende von Folkloregruppen, die in einer der größten kroatischen Organisationen in Kanada, dem „Kroatisch-kanadischen Folkloreverband“, versammelt sind. Das jährliche Festival des Verbands gilt als die größte Versammlung von kroatischen Folkloregruppen.

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George Chuvalo

Kroaten in Argentinien

Obwohl sich die heimische Bevölkerung Anfang des 19. Jahrhunderts, von der spanischen Regierung hat lösen können, hat sie es nicht fertig gebracht den eigenen Staat von zahlreichen Einsiedlern, durch die Argentinien heute bekannt ist, zu bewahren.
Der neuntgrößte Weltstaat hat auch Kroaten bei sich aufgenommen, von denen nach letzten Meldungen immernoch ungefähr 250 Tausend dort leben.
Die größte kroatische Gemeinschaft lebt in Buenos Aires, Cordoba und Rosario, in denen auch die größten kroatischen Vereine, Verbände und Clubs zu finden sind. Kroaten verkehren miteinander in mehr als Fünfzig! Vereinen und Heimen in Cordoba, Rosario, San Justo, Parani, Comodor Rivadavia, Ushuaia, Mar del Plata und den kroatischen Zentren in Mendoza und La Plata. Argentinische und kroatische Unternehmer verbindet die kroatisch – argentinische Wirtschaftskammer. Die weibliche Gesangsgruppe "Valovi / Wellen" aus Buenos Aires pflegt das kroatische, musikalische Kulturerbe, genauso wie die Gesellschaft "Jorgovan/ Flieder" .
Liebhaber der kroatischen Küche können unter Cocina Croata viele, bekannte, kroatische Rezepte finden und auf dem Portal Cultura Croata Informationen über die verschiedenen Vereine. Sportler mit kroatischem Ursprung tranieren im kroatischen Sportverein Deportivo Croata in Buenos Aires. In Argentinien hat auch der Kroatischen Weltkongress seine Zweigstelle.

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Ivan Juan Benigar

Kroaten in Australien

In Australien lebt eine der größten kroatischen Emmigrantengemeinschaften, die nach letzten Angaben rund 250 Tausend Menschen, mit kroatischem Ursprung, zählt. Das traditionelle Aussiedlerland Kroatien hat sich Ende des 19. Jahrhunderts im traditionellen Einsiedlerland Australien niedergelassen. "Terra Australis" war der Zielort all unserer Leute, die aus wirtschaftlichen oder politischen Gründen ihre Heimat verlassen mussten. 20 Tausend Kilometer waren kein Hindernis für Dalmatiner und Istrianer, die sich in West – Australien, Nord – Queensland und Neu Süd – Wales, angesiedelt haben. Nach dem Zweiten Weltkrieg erreichte Australien noch eine Welle kroatischer Aussiedler, die sich mit Fischfang, Schifffahrtskunde, Bergbau und Landwirtschaft beschäftigte.
Eine wichtige Rolle im Prozess der Anpassung dieser Menschen, in die für sie neue, demokratischen Gesellschaft spielte sowohl die Kroatische Mission als auch die Katholische Kirche . Die Katholische Mission bewahrte das kroatische kulturelle und sprachliche Erbe, ohne dabei die inbrünstige Hilfe des neuen Staates, die den Kroaten einen Zufluchtsort sowie ein sicheres Leben gewährte, abzutun.
Es sollte erwähnt werden, dass neben der Katholischen Mission auch kroatische Bibliotheken, die die Publikation kroatischer Titel ermőglicht haben, zur Erhaltung des kroatischen Kulturerbes beigetragen haben. Diese waren sehr nötig, damit die kroatische Sprache seit den 70iger Jahren bewahrt werden konnte, als der größte Teil kroatischer Auswanderer nach Australien kam. Der Unterricht in kroatischer Sprache wurde meist in katholischen Missionen abgehalten. Die kroatischen Emmigranten sind am stolzesten auf die "Samstags – Sprachschule bzw. The Saturday School of Community Languages", die 1978 die australische Regierung zusammen mit dem Kroatischem Ministerium für Bildung und Sport ins Leben gerufen hat. Heute ist diese Sprachschule in das reguläre Bildungswesen integriert, wobei der kroatische Staat Lehrbücher und nötige finanzielle Mittel bereitstellt.

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STJEPAN MARČELJA

Kroaten in Österreich

In Österreich leben circa 90.000 Kroaten, die meisten davon in Wien. Die autochthonen Burgenlandkroaten mit ungefähr 1.000 Angehörigen bilden die kleinste Gruppe. Trotz jahrhundertelanger historischer Verbindung werden die Kroaten in Österreich zu den jüngeren Einwanderergruppen gezählt. Die «Gastarbeitergeneration» ging Mitte der 60-er Jahre nach Österreich, die meisten Kroaten siedelten sich im Alpenland jedoch zu Beginn des Heimatkrieges an.
Das kulturelle und gesellschaftliche Leben von Kroaten in Österreich ist sehr reich und bunt.
Die Burgenlandkroaten als gefährdetste Gruppe sind in diesem Hinblick besonders aktiv. Sie versammeln sich im Burgenländisch-Kroatischen Zentrum, im Wissenschaftlichen Institut der burgenländischen Kroaten, im Kroatischen Akademikerklub, in der Österreichisch-Kroatischen Gemeinschaft für Kultur und Sport, dem Verband ANNO 93, im Dachverband Kroatischer Vereine Salzburg und dem Kroatischen Kulturverein Napredak. In Wien gibt es auch eine Zweigstelle des Kroatischen Weltkongresses.
Sie lesen das Wochenblatt Hrvatske novine und das Nachrichtenportal Kroativ, sie tanzen jedes Jahr Walzer beim kroatischen Ball in Wien und den slawonischen Kolo mit Unterstützung des Folkloreensembles Šokadija Beč. Die Jugendlichen feiern ihren Tag, spielen in einer Fußballiga, in der alle kroatischen Klubs aus Wien versammelt sind.
Die kroatische Redaktion des ORF bereitet Fernseh- und Radiosendungen für die in Österreich lebenden Kroaten vor. Kroatische katholische Missionen sind in Wien, St. Pölten, Linz, Salzburg, Innsbruck, Feldkirch, Graz und Klagenfurt tätig. Für den Kroatischunterricht sind die österreichischen Behörden zuständig. Das kroatische Bildungsministerium finanziert zusätzlich die Arbeit von zwei Lehrern in Linz und der Kroatischen Schule in Wien.
Augustin Blažović gilt als der bekannteste moderne Autor der literarischen Szene der burgenländischen Kroaten, Akademiker Nikola Benčić, Sprachwissenschaftler und Historiker, ist Mitglied der Kroatischen Akademie der Wissenschaften und Künste, der Hammerwerfer Andreas Haklits, der bei internationalen Wettkämpfen für Kroatien antritt, ist Burgenlandkroate.

Milan Neralić

Kroaten in Montenegro

Das reiche geschichtliche und kulturelle Erbe der Kroaten in Montenegro zeugt von einem Jahrhunderte altem Leben unserer nationalen Minderheiten an der Küste von Montenegro. Aufgrund geschichtlicher Hintergründe, die dortige Kroaten ihrer ursprünglichen Heimat entzogen haben, hüten diese heute noch ihre nationalen und sprachlichen Schätze. Ungefähr 6000 Kroaten und deren Nachfolger leben in Kotor, Tivat, Herceg Novi, Perast, Dobrota, Budva und Bar. Mit der kroatischen Unabhängigkeit hat sich die undankbare Position dieser Kroaten in Montenegro verändert, wobei sie ihren richtigen Höhenflug nach dem im Jahre 2011 parafierten Übereinkommen über die Rechte der dort angesiedelten Minderheiten, erwarten.
Die kroatische Minderheit wird im montenegrischen Parlament durch die Kroatische Bürgerinitiative vertreten, mit einem Ministerplatz ohne Portfolio. Der Schutz kroatischer Minderheiten steht im Mittelpunkt des kroatischen Nationalrates.
Das unschätzbare Erbe hüten kulturelle Vereine und Bündnisse, die von der Kroatischen Bürgerinitiative in Montenegro, sowie die kroatische Muttergesellschaft DUX CROATORUM, angefűhrt werden. Regelmäßig erscheint das Blatt "Hrvatski Glasnik /Kroatischer Boote", ein Blatt der Kroatischen, bürgerlichen Gesellschaft in Montenegro und in der Bucht von Montenegro werden auch Nachrichten auf dem Radiosender fűr Minderheitsgruppen in Montenegro, Radio DUX ausgestrahlt.
Der Kroatisch-Unterricht wird in Ergänzungsschulen in Kotor und Tivat abgehalten. Ihn besuchen leider nur sehr wenige Schüler. Vielleicht wird es jedoch eines Tages möglich sein duch ein besseres Angagement kroatischer Verbände diesem Problem abzuhelfen.
Wir können nur hoffen, dass sich der gewaltige Wertschatz der montengrischen Vergangenheit nicht auf dem dünnen Kreuz der dortigen geringzähligen kroatischen Gemeinschaft stürzen wird,die fast am auslöschen ist.

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Antun Luković

Kroaten in Chile

In Chile lebt heute eine der größten kroatischen Gemeinschaften außerhalb Kroatiens und das ist in diesem Land bei jedem Schritt zu erkennen. Schätzungen zufolge leben in Chile rund 200 000 Nachkommen kroatischer Immigranten, die im 19. Jahrhundert im Zuge des „Goldrausches“ über Argentinien nach Chile kamen. Anfang des 20. Jahrhunderts verwüstete die Reblausplage in Dalmatien den Weinbau, damals die einzige Erwerbsquelle der dort lebenden Familien, und sorgte für die zweite Migrationswelle aus Dalmatien nach Chile. Die kroatischen Immigranten suchten ihr Glück in der Region Magallanes, den Städten Punta Arenas und Porvenir, wo sie als Viehzüchter und Bergmänner arbeiteten. Im Laufe der Zeit und im Zuge der industriellen Entwicklung zogen sie in die Hauptstadt Santiago, wo heute die größte Zahl von Kroaten lebt, aber auch in die Städte Antofagasta, Iquique, Punta Arenas, Puerto Natale, Valparaiso und Concepcion.
Überall in Chile sind kroatische Vereine und Gesellschaften zu finden. In Santiago ist die Gesellschaft Estadio Croata tätig, in Punta Arenas der Club Croata, in Antofagasta die Sociedad Croata, in Iquique versammeln sich Kroaten im Kulturverein Hrvatski dom. Das Erbe ihrer Großeltern bewahrt die Folkloregruppe "Naša zemlja" in Santiago, der 1932 gegründete Singverein „Jadran“ und auch der Verband kroatisch-stämmiger Studenten ist in Chile tätig. Es gibt auch verschiedene Sportgesellschaften, beispielsweise Hrvatski sokol in Punta Arenas und eine gleichnamige Gesellschaft in Antofagasta. Kleinere Sportvereine gibt es auch in La Serena, Calama, Arika und Porvenir. In der letzteren Stadt ist der südlichst gelegene kroatische Sportverein zu finden. Die meisten kroatischen Immigranten in Chile stammen aus Dalmatien und so ist es keine Wunder, dass Zadar eine Städtepartnerschaft mit Iquique, Split mit Punta Arenas und Antofagasta pflegt.

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Lenka Zlatar Franulić

Kroaten in Italien

Die kroatische-italienischen Beziehungen reichen bis in das 15. Jahrhundert zurück, besonders stark verflochten waren sie in der italienischen Region Molise, wo bis heute noch eine kroatische Minderheit lebt. Rund 2000 Sprecher der kroatischen Sprachen leben überwiegend in drei Städten der Moliser Provinz Campobasso: Kruč (Acquaviva Collecroce), Mundimitar (Montemitro) und Filič (San Felice). Mit einem entsprechenden Vertrag zwischen Kroatien und Italien aus dem Jahr 1996 wurde die kroatische Gemeinde in der Region Molise als offizielle Minderheit mit allen ihr zustehenden Rechten anerkannt. So haben sie das Recht auf Schutz ihrer sprachlichen und kulturellen Identität, auf den Gebrauch der kroatischen Sprachen im öffentlichen und privaten Leben sowie das Recht auf Gründung von Kulturvereinen. In der autonomen Region Friaul-Julisch Venetien im Nordosten Italiens lebt eine größere Zahl von Kroaten, die aber keinen Minderheitenstatus genießen.
Laut offiziellen Schätzungen leben heute in Italien rund 60 000 Kroaten und ihre Nachkommen. Der Verband kroatischer Vereine in Italien ist die Dachorganisation für etliche Vereine und Gesellschaften: den Kroatisch-italienischen Verein in Rom, die Kroatische Gesellschaft in Mailand, die Kroatische Gesellschaft in Triest, die Kroatische Gesellschaft in Venetien und den Kroatisch-italienischer Verein in Udine. Ebenfalls ist der Sportverein Isola Croata – Kroatische Insel in Molise tätig.
Als autochtone Kroaten bewahren die so genannte Molisekroaten die kroatische Sprache durch verschiedene Aktivitäten des Verbandes der Kultuvereine der Molisekroaten, in dem die Kroatische Gesellschaft in Molise „Luigi Zara“, die Vereine „Naš život“ und „Naš grad“ sowie die Stiftung „Agostina Piccoli“ vereinigt sind. Der letztere gibt die zweisprachige Zeitschrift „Riča živa / Parola viva“ (Lebendiges Wort) heraus. Auch der Dachverband der Kroaten fördert die Muttersprache mit der zweisprachigen Zeitschrift „Insieme“ (Gemeinsam). Überraschenderweise gibt es in Italien kein Radio- oder Fernsehprogramm in kroatischer Sprache. Der Kroatischunterricht wird in Grund-, Sekundar- und Ergänzungsschulen sowie auf Universitätsbene durchgeführt. Das kroatische Ministerium für Wisseenschaft, Bildung und Sport unterstüzt mit Lehrmaterial den Kroatischunterricht in Rom, Triest und in der Region Molise.

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Nikola Petrov Ivanušić

Kroaten in Deutschland

In der Bundesrepublik Deutschland leben heute rund 230 000 Kroaten, während sich diese Zahl laut Angaben der Kroatischen Botschaft in Berlin und der Kroatischen Katholischen Missionen auf 350 000 beläuft. Kroaten sind in zwei Migrationswellen nach Deutschland gezogen: erstens handelt es sich um politisch motivierte Emigration nach Ende des Zweiten Weltkriegs wegen des damaligen repressiven politischen Systems. Zweitens handelt es sich um so genannte „Gastarbeiter“, die nach der Unterzeichnung eines entsprechenden Abkommens zwischen den Regierungen Deutschlands und des damaligen Jugoslawiens im Jahr 1968 massenhaft nach Deutschland auswanderten. Die kroatischen Gastarbeiter auf befristete Zeit verdienten ihr Geld mit schwerer Arbeit, meist als Bauarbeiter oder Metallarbeiter. Mit diesen Arbeiten, wie sich später zeigen sollte auf unbefristete Zeit, finanzierten sie ihre Familie in Jugoslawien, die sie dann allmählich nach Deutschland holten. Die kroatischen Einwanderer brachten ihre Kultur, Bräuche und Traditionen mit sich mit. Das kroatische geschriebene Wort konnte man bereits 1973 auf der Internationalen Buchmesse in Frankfurt finden. Auf dem Stand Croatia vertraten die kroatische Migrantenliteratur große Autoren der kroatischen Migrantenliteratur wie Vinko Nikolić, Božo Dugeč, Malkica Dugeč, Pater Lucijan Kordić und viele andere.
Anfang 1984 wurde der Verein kroatischer Eltern gegründet, aus welchem später die erste kroatische Kulturgemeinschaft in Stuttgart entstand. Gleichzeitig wurden etliche weitere kroatische Vereine und Gemeinschaften in ganz Deutschland gegründet, beispielsweise der Kroatische Kulturverein Vladimir Fran Mažuranić, die Kultur-, Kunst- und Sportgemeinde in Berlin sowie das Jugendtheater Marin Držić in der deutschen Hauptstadt. Die Stimme der kroatische Migranten war laut in Deutschland zu hören, vor allem in den Zeitschriften Hrvatska domovina und Kroatische Berichte, die sich stark für kroatische Interessen in Deutschland einsetzten.

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Dragutin Trumbetaš

Kroaten in Peru

Die Ankunft der Kroaten in Peru wird schon im 16. Jahrhundert erwähnt, als der Dubrovniker Adelige Basilije Basiljević auf der Suche nach Inka-Schätzen und El Dorado den Boden des südamerikanischen Landes betrat. Von seiner Präsenz in Cusco, der Hauptstadt des Inkareiches, zeugt die monumentale Kirche des heiligen Blasius, die der Dubrovniker Adelige zusammen mit seinen Seemännern erbaute. Nach Südamerika wanderten vor allem Dubrovniker aus, doch es gab auch so manche Dalmatiner und Menschen aus dem kroatischen Küstenland. Der Kontinent beherbergte Bodenschätze, die viele ausnutzen wollten, um ein neues Geschäft zu starten, aber auch andere Möglichkeiten für die Einwandererfamilien. Ende des 19. Jahrhunderts war die kroatische Kolonie die größte und bedeutendste Migrantengruppe, weil ihre Angehörigen die reichen Erzlagerstätten erforschen wollten. So sind auf einer Höhe von mehreren tausend Metern über dem Meeresspiegel Minen mit den Namen wie etwa „Zagreb“, „Velebit“, „Dalmacija“, „Zrinski“, „Neretva“ und „Zadar“ zu finden. Es war kein Zufall, dass die „Austriacos“, wie die kroatischen Migranten von der einheimischen Bevölkerung genannt wurden, in einer großen Welle nach Peru kamen. Das damalige Österreich-Ungarn bewirkte mit der sogenannten Weinklausel die Auswanderung der dalmatinischen Winzer, die ihre Weine nicht verkaufen konnten, da die Donaumonarchie mit diesem Schritt die politische Gunst Italiens gewann. Die Kroaten gelten in der peruanischen Öffentlichkeit als hervorragende Seemänner. Das bekräftigt unter anderem die Tatsache, dass der Kapitän des ersten Dampfschiffes in einem peruanischen Hafen ein Mann Namens Mitrović war, der höchstwahrscheinlich aus dem Dubrovniker Gebiet stammte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kam eine neue Kolonie von fast 1000 politischen Emigranten, die sich den dortigen Kroaten nur schwer anpassen konnten, da sich die letzteren in die peruanische Gesellschaft schon integriert hatten. Aktuellen Schätzungen zufolge leben heute in Peru zwischen 300 bis 400 kroatische Migranten der ersten und rund 6000 der dritten und vierten Generation. Manche von ihnen sind vollständig assimiliert und ihre kroatischen Wurzeln sind kaum zu erkennen, aber die meisten bekleiden hohe und wichtige Ämter in der peruanischen Gesellschaft.

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Kristian Kreković

Kroaten in der Schweiz

Die Beziehungen zwischen Kroatien und der Schweiz bestehen unaufhörlich schon seit dem 15. Jahrhundert. Als die ersten wichtigen Kroatenvertreter in der Schweiz gelten die Vatikan-Diplomaten Ivan Stojković i Andrija Jamometić, die so manche historische Artefakte von unabschätzbarem Wert als Erbschaft hinterließen. Im 16. Jahrhundert begann in Basel der kroatische Theologe, Historiker und Philologe Matija Vlačić Ilirik sein Studium; zu Beginn des 19. Jahrhunderts fand dort auch der Politiker Graf Janko Drašković Zuflucht. Die Ärztin Ema pl. Pavleković ist wohl die erste Kroatin, die ein Medizinstudium im Ausland abschloss – in Bern und Lausanne. Der Franziskanermönch Dominik Mandić, der sich mit Geschichte und Kirchenlehre befasste und in diesen Bereichen auch promovierte, studierte an der Universität Fribourg. Zu den herausragendsten Vertretern der neueren Generation der Schweizer Kroaten zählen die Nobelpreisträger Lavoslav Ružička und sein Schüler Vladimir Prelog.
Die ersten Spuren der kroatischen Migranten in der Schweiz erscheinen fast gleichzeitig mit dem Beginn der katholischen Missionen. Fra Lucijan Kordić brachte seit seiner Ankunft im Jahr 1951 Kroaten aus der ganzen Schweiz zusammen. Aus diesem Grund ernannte ihn die Kongregation in Rom zum Leiter der Auslandsgemeinde der Schweizer Kroaten. Die erste katholische Mission wurde 1967 durch Vermittlung von Frau Ljubo Krasić gegründet. Zurzeit zählen die Schweizer Kroaten 14 katholische Missionen. Gemeinsam geben sie seit 1961 regelmäßig die Zeitschrift MOVIS heraus.
Die erste kroatische Vereinigung in der Schweiz außerhalb des Tätigkeitsbereichs der Missionen war die Kroatische Gesellschaft (Hrvatsko društvo), die im Jahr 1960 von Jure Petričević gegründet wurde. Rund 15 Jahre lang führte die Gesellschaft kroatische Intelektuelle und andere angesehene Persönlichkeiten in der Schweiz zusammen. Der berühmte kroatische Karikaturist Branimir Petrović belustigte mit seinen Zeichnungen jahrelang die Leser der bekanntesten Zeitung in Genf und galt als einer der wichtigsten Schweizer Karikaturisten. Den Arzt Marin Turina nannte die Neue Zürcher Zeitung seinerzeit den berühmtesten Schweizer Herzchirurgen. Der herausragende Physiker Davor Pavuna ist ein Experte mit hohem Renommee, der als Energetik-Berater des US-amerikanischen Präsidenten Barack Obama arbeitete.

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Žarko Dolinar